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Basilique Notre-Dame de la Paix, die größte katholische Kirche der Welt

Ich werde versuchen, meine zynische Haltung zu mäßigen, aber das wird schwierig, da sich so viele Parallelen und Anspielungen aufdrängen – ich bitte meine gläubigen Leser im Voraus um Entschuldigung. Nein, ich habe kein Problem mit der Religion, sondern mit der darauf aufbauenden Kirche – mit Kirchen, die dazu neigen, es zu übertreiben.

Wie zum Beispiel in diesem Fall, denn die größte christliche Kirche der Welt befindet sich nicht im Vatikan, nicht einmal in Israel, wo die Religion ihren Ursprung hat, sondern – ta-ta-ta-tam – in Afrika.

Basilique Notre-Dame de la Paix, die größte katholische Kirche der Welt

In Afrika liegt nämlich die nach lokalen Maßstäben eher wohlhabende als elende Nation Côte d’Ivoire. Das Land begann seine Staatsgeschichte als französische Kolonie und wurde später zu einer Félix Houphouët-Boigny, dem Sohn eines lokalen Häuptlings – der es in Frankreich sogar bis zum Ministerposten gebracht hatte –, die Unabhängigkeit Unabhängigkeit der Elfenbeinküsteaus. Der Diktator regierte das Land mit eiserner Hand, pflegte enge Beziehungen zu Frankreich und schaltete seine lokalen Konkurrenten effizient aus.

Für Diktatoren weltweit ist es typisch, dass sie prahlen und ihr Vermögen für völlig überflüssige Dinge verschwenden – und genau das spiegelt die Verrücktheit des Diktators wider, sei es nun Fußball oder gerade die christliche Religion. Dabei sehnt sich natürlich ein Großteil der Bevölkerung seines Landes vielleicht nicht gerade nach solchen Ausgaben. Aber sie sind ja eben Diktatoren, und was für ihr Land gut (wäre), ist ihnen sie nicht sonderlich interessiert.

Je ärmer das jeweilige Land ist, desto prahlerischere Marotten treibt dieser – in fast allen solchen Fällen – von Minderwertigkeitskomplexen geplagte Diktator. Auch in diesem Blog habe ich bereits Beispiele für diese Prahlerei und ihre Folgen angeführt: Stalins vergessene Eisenbahn, Der Auftraggeber der gestohlenen Waggons, der Präsident von Tadschikistan, Vor sieben Jahren verließ uns der große Türkmenbashi, Der Honecker-Bunker.

Nun, auch Boigny hat ordentlich zugeschlagen: sein Heimatdorf, ein paar Lehmhütten am Ende der Welt mit fünfhundert Einwohnern Yamoussoukro, zur Hauptstadt ernannte und die Regierung dorthin verlegte. Die Bürokraten haben sich sicher gefreut, als sie das eine Million Einwohner zählende Küstenstadt Abidjan hinter sich lassen und in die 250 km entfernte neue Hauptstadt umziehen mussten, wo es anfangs wirklich nichts gab.

Doch dann begann auch die neue Hauptstadt des von Krisen gebeutelten Landes sich zu entwickeln – allerdings nicht durch den erwarteten Ausbau der Infrastruktur, sondern beispielsweise durch den Bau der größten christlichen Kirche der Welt. Denn ganz sicher war das nicht unbedingt das, was dort am dringendsten gebraucht wurde, vor allem in einem grundsätzlich islamischen Land. Dabei hätte man dort auch ein Stadion oder sogar eine Baumkronenpromenade planen können.

Doch nein, der tiefgläubige Boigny entschied, dass nur eine Kirche, die noch größer ist als der Petersdom im Vatikan, ihm Erlösung bringen könne. Die Basilika war ursprünglich noch eine Größenordnung größer geplant, und auch die Höhe des Gebäudes von 60 Metern zeugt von einem gewissen Kompromiss gegenüber den ursprünglichen Plänen.

Basilique Notre-Dame de la Paix, Innenraum

Den Grundstein für den Bau legte Papst Johannes Paul II. am 10. August 1985, was zeigt, dass die Kirche durch dieses Projekt, das fast alle Ressourcen des verarmten Landes verschlang, keineswegs gestört war. Das wahnwitzige Projekt wurde im September 1989 abgeschlossen und am 10. September 1990 von Seiner Heiligkeit, dem Papst, geweiht. Die Kirche ähnelt übrigens sehr ihrem Vorbild im Vatikan: 24 Säulen tragen die riesige Kuppel über dem einschiffigen Bauwerk. In einigen der Säulen befinden sich sogar Aufzüge, die natürlich seit der Übergabe des Gebäudes nicht mehr in Betrieb sind.

Der riesige Innenraum wird von Mosaikfenstern eingerahmt, die mit mehr oder weniger lokalen Anpassungen Momentaufnahmen aus der Bibel zeigen; die Darstellung von Sponsoren in den kommerziellen Fernsehsendern war schon immer Gegenstand von Kontroversen, doch hier sind solche Fragen wahrscheinlich gar nicht erst aufgekommen. Vor Jesus kniet persönlich Boigny (was zu würdigen ist, dass es nicht umgekehrt ist), flankiert von den weiteren Sponsoren auf beiden Seiten. Coca-Cola, die FIFA oder Apple waren in diesem Fall glücklicherweise nicht vertreten, was von ihrer Seite auf große Zurückhaltung hindeutet. Ja, es gibt den Ausdruck Geschmacklosigkeit, aber in der Welt der Diktatoren verliert dieses Wort fast immer seine Bedeutung.

Basilique Notre-Dame de la Paix, Mosaikfenster

Das riesige Gebäude bietet mit 7.011 Sitzplätzen Platz für 18.000 Personen; jeder der verschiedenen Bereiche verfügt über eine unabhängig voneinander betriebene Klimaanlage. Darüber hinaus haben die Bänke sogar ein eigenes Belüftungssystem. Diese Bänke und die Möbel sind aus lokalem Holz von der Elfenbeinküste gefertigt, doch diese Geschichte hat auch ihre Besonderheiten: Das Holz wurde zunächst zur Bearbeitung nach Italien transportiert und erst danach verbaut. Auch die Marmorverkleidung des Gebäudes stammt aus Italien.

Wenn man die Kirche verlässt und die Vorhalle durchquert, die Platz für 150.000 Menschen bietet, gelangt man in einen riesigen, aber mittlerweile verwilderten Park, mitten im Nirgendwo. Denn rund um das Gebäude gibt es nichts, wirklich gar nichts. Auf der anderen Seite des Gebäudes befinden sich zwei mehrstöckige Villen; die eine ließ der Diktator für sich selbst errichten, die andere für den Papst und dessen Delegation. Beide Villen stehen seit der Einweihung der Kirche, also seit 35 Jahren, leer.

In der Zeit seit der Übergabe hat sich im Land einiges verändert. Boigny verstarb drei Jahre nach der Übergabe, im Jahr 1993; seiner Abrechnung wird meiner Meinung nach dort drüben bis heute nachgegangen. Schon in seiner letzten Amtszeit begannen im Land Unruhen, und seitdem werden die kurzzeitig regierenden Diktatoren gemäß den örtlichen Gepflogenheiten von selbsternannten Putschisten-Generälen abgelöst. Die Einwohnerzahl der neuen Hauptstadt ist auf 400.000 gestiegen, doch das ist verschwindend gering im Vergleich dazu, dass sich die Bevölkerung des Landes in der Zwischenzeit (zwischen 1960 und 2023) verzehnfacht hat und nun 31 Millionen beträgt.

Basilique Notre-Dame de la Paix, Vorhalle der Kirche

Bevor wir nun Parallelen zwischen beispielsweise Felcsút und Yamoussoukro, der neuen Hauptstadt, ziehen, wollen wir uns als Einleitung die beiden weiteren Sehenswürdigkeiten der Möchtegern-Hauptstadt ansehen:

Le lac aux crocodiles: Boigny hat natürlich seinen eigenen Palast in seinem Geburtsort und umgab ihn mit einem riesigen künstlichen See. Der Palast ist auch heute noch unzugänglich, denn der Diktator ging auf Nummer sicher: Er hat den See mit Krokodilen bevölkert. Auf dem nahegelegenen Markt kann man tote Hühner zu einem günstigen Preis kaufen, um dann Selfies mit den Reptilien zu machen.

Übrigens fällt mir unwillkürlich der Monolog von Bunkó, in dem Bunkó seinem fachkundigen Publikum erklärt, dass man Leichen am einfachsten beseitigt, indem man sie an die Schweine verfüttert. (Dieser Beitrag bzw. der Monolog hier zu finden:). Nun, vielleicht hat man in Afrika eine für diesen Zweck noch besser geeignete Tierart gefunden. Die übrigens auch ein hervorragender Wachhund ist. Bunkó könnte hier noch einiges lernen.

Le lac aux crocodiles

Hôtel Président: Ja, man kann mit Sicherheit sagen, dass im Handbuch der Diktatoren neben Hinterlist, Ehrgeiz und Bosheit auch Geschmacklosigkeit zu den Zulassungsvoraussetzungen gehört. Oder wenn es ihm persönlich nicht gelingt, geschmacklos zu sein, muss er diese Aufgabe delegieren. Zum Beispiel umgibt er sich mit Menschen, Architekten, die diese Anforderung (ebenfalls) erfüllen. Ein hervorragendes Beispiel dafür ist das Hôtel Président in Yamoussoukro mit einem separaten Restaurant im obersten Stockwerk. Mir fehlen die Worte für eine Analyse (was eigentlich nicht so typisch für mich ist), daher soll stattdessen ein Bild von diesem sogenannten Gebäude sprechen:

Hôtel Président

Offtopic: Ach ja, und da ich Felcsút bereits erwähnt habe, sollten wir die Zurückhaltung im eigenen Land nicht vergessen, denn das ist noch keine Hauptstadt. Noch nicht.

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Quellen

de/passport/notre-dame_de_la_paix.txt · Zuletzt geändert: von vamsan