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Als der König zum zweiten Mal
In den Niederlanden läuft alles ein bisschen anders. Damit meine ich jetzt nicht (unbedingt) das legale Marihuana, die Rotlichtviertel oder den Fahrrad-Fetisch – Themen, die einem sofort in den Sinn kommen, wenn man gerade aus Rotterdam zurückkehrt. Sondern darüber, dass die Politiker dort großen Wert darauf legen, den Eindruck zu vermitteln, dass sie aus dem Volk stammen – und das tun sie auch wirklich.
Oft liest man Nachrichten darüber, dass beispielsweise der Bildungsminister vormittags Vorträge in Schulen hält und anschließend mit dem Fahrrad ins Ministerium fährt. Sándor Vilmos (König Willem-Alexander), der derzeit 58-jährige König der Niederlande, steuert das Regierungsflugzeug – eine spezielle Boeing 737 BBJ mit dem Rufzeichen PH-GOV – persönlich im Rang eines Kapitäns, wenn er zu einer offiziellen Reise aufbricht.
Das funktioniert natürlich nicht so, dass Seine Majestät tun kann, was er will – die Regeln des Luftverkehrs sind da weniger nachsichtig; der König ist zudem seit Jahrzehnten aktiver Flugoffizier bei der niederländischen Königlichen Fluggesellschaft KLM. Obwohl er 2013 den Thron bestieg, hat er sein Hobby und seinen Beruf nicht aufgegeben: Als Gastpilot fliegt er regelmäßig auf den Linienflügen der niederländischen Königlichen Fluggesellschaft KLM – über diese Tätigkeit äußerte er sich erstmals 2017, nachdem er quasi „erwischt“.
Auf den KLM-Flügen arbeitet er ausschließlich als Erster Offizier (Co-Pilot). Der Grund dafür ist, dass er als „Gastpilot“ fliegt und kein Vollzeitmitarbeiter der Fluggesellschaft ist, sodass er in der beruflichen Hierarchie den KLM-Kapitänen unterstellt ist. Er ist in der Flotte von KLM Cityhopper (der für die Kurzstreckenflüge der KLM zuständigen Tochtergesellschaft) im Einsatz und fliegt vor allem zwischen europäischen Großstädten. Meistens wählt er die Morgenflüge. Er startet in Amsterdam in Richtung einer europäischen Großstadt (zum Beispiel London oder Berlin) und kehrt nach einem Hin- und Rückflug bereits am Nachmittag zum Flughafen Schiphol zurück. So kann er sich am Abend bereits im Palast den Staatsangelegenheiten widmen.
Die Flüge werden streng nach den offiziellen staatlichen Terminen organisiert. Steht ein diplomatischer Besuch, eine parlamentarische Veranstaltung oder eine Auslandsreise an, wird der Flug verschoben. Da er bei der KLM als „Gastpilot“ (Guest Pilot) geführt wird, unterliegt er nicht denselben strengen Vorschriften wie die hauptberuflichen Piloten.
Obwohl es bereits zuvor Gerüchte gab, trat er 2017 selbst in der niederländischen Zeitung „De Telegraaf“ an die Öffentlichkeit. Der Grund dafür war, dass die alten Fokker-70-Flugzeuge, die er bis dahin geflogen hatte, aus dem Verkehr gezogen wurden. Um sich auf die neueren, größeren Flugzeuge (wie die Boeing 737 oder eben den Airbus A321neo) umschulen zu lassen, war es aufgrund der Schulungen und Simulatorprüfungen nicht mehr möglich, seine Anonymität vollständig zu wahren.
Überraschenderweise erfuhren die Passagiere in den meisten Fällen gar nicht, dass der zweite Pilot an Bord der niederländische König war. Seinen Angaben zufolge helfen ihm die KLM-Uniform und die Pilotenmütze dabei, seine Anonymität zu wahren, was sich als wirksame Tarnung erweist, wenn er durch die Terminals geht. Außerdem ist er als Erster Offizier nicht verpflichtet, sich über die Lautsprecheranlage vorzustellen; in der Regel begrüßt der Kapitän die Passagiere in seinem eigenen Namen und im Namen der Besatzung. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass die Tür zum Cockpit aufgrund der Sicherheitsvorschriften seit den Ereignissen vom 11. September 2001 während des Fluges verschlossen bleibt, sodass die Passagiere ihn bei der Arbeit nicht sehen können.
Der Hauptgrund dafür war jedoch die Sicherheit und die Ruhe. Vilmos Sándor wollte nicht, dass die Passagiere in Panik geraten oder der Flug besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht, sollte bekannt werden, dass der Monarch das Flugzeug steuert. Das Fliegen bedeutet für ihn Freiheit. Würden die Passagiere davon erfahren, würde die ständige Anwesenheit der Presse und der Sicherheitsdienste dieses Erlebnis für ihn zunichte machen.
Die Mehrheit der niederländischen Bevölkerung steht dem Hobby des Königs äußerst positiv und mit Stolz gegenüber. Viele sind der Meinung, dass dies ein weiterer Beweis dafür ist, dass Wilhelm Alexander ein „unmittelbarer, moderner Monarch“ist, der mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht, wenn er gerade nicht fliegt. Auch für die niederländische Königliche Fluggesellschaft (KLM) ist es eine Ehre, dass der Namensgeber selbst in ihren Reihen dient.
Wenn du das nächste Mal vielleicht mit einem KLM Cityhopper fliegst, denk daran: Möglicherweise ist der niederländische König persönlich der Copilot.
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