de:passport:line_18
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| ==== Die Exklave Steinstücken ==== | ==== Die Exklave Steinstücken ==== | ||
| - | Als 1920 Groß-Berlin gegründet wurde, wurden die umliegenden Ortschaften der Hauptstadt angegliedert. Die Ländereien von Steinstücken gehörten historisch gesehen den Gutsbesitzern des Dorfes Stolpe (später Wannsee), die ihre Steuern an Berlin abführten. So wurde das Dorf rechtlich Teil des Bezirks Berlin-Zehlendorf, | + | Als 1920 Groß-Berlin gegründet wurde, wurden die umliegenden Ortschaften der Hauptstadt angegliedert. Die Ländereien von Steinstücken gehörten historisch gesehen den Gutsbesitzern des Dorfes Stolpe (später Wannsee), die ihre Steuern an Berlin abführten. So wurde das Dorf rechtlich Teil des Bezirks Berlin-Zehlendorf, |
| ==== jenseits der Mauer ==== | ==== jenseits der Mauer ==== | ||
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| Am 18. Oktober 1951 drangen bewaffnete Angehörige der ostdeutschen Volkspolizei unerwartet in das Dorf ein und versuchten, es der DDR einzuverleiben. Aufgrund des Widerstands der Einwohner und heftiger diplomatischer Proteste seitens der USA zogen sich die Ostdeutschen nach einigen Tagen zurück. | Am 18. Oktober 1951 drangen bewaffnete Angehörige der ostdeutschen Volkspolizei unerwartet in das Dorf ein und versuchten, es der DDR einzuverleiben. Aufgrund des Widerstands der Einwohner und heftiger diplomatischer Proteste seitens der USA zogen sich die Ostdeutschen nach einigen Tagen zurück. | ||
| - | Im August 1961, als die Mauer errichtet wurde, | + | Im August 1961, als die Mauer errichtet wurde, |
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| ==== Durch die Mauer ==== | ==== Durch die Mauer ==== | ||
| - | Nach der Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurde Steinstücken zu einer der ungewöhnlichsten Fluchtrouten. Da das Dorf anfangs nur mit Stacheldraht umzäunt war, mussten die ostdeutschen Flüchtlinge „nur“ den äußeren DDR-Ring überwinden, | + | Nach der Errichtung der Berliner Mauer am 13. August 1961 wurden |
| Im August 1961, unmittelbar nach der Schließung der Grenze, herrschte Chaos. Dutzende ostdeutsche Familien rannten über Felder und durch Gärten nach Steinstücken. An manchen Tagen versteckten sich mehr als 20 Flüchtlinge in den Häusern des Dorfes. US-Soldaten brachten sie mit Hubschraubern weiter in die sicheren zentralen Stadtteile West-Berlins. | Im August 1961, unmittelbar nach der Schließung der Grenze, herrschte Chaos. Dutzende ostdeutsche Familien rannten über Felder und durch Gärten nach Steinstücken. An manchen Tagen versteckten sich mehr als 20 Flüchtlinge in den Häusern des Dorfes. US-Soldaten brachten sie mit Hubschraubern weiter in die sicheren zentralen Stadtteile West-Berlins. | ||
| - | Ein ostdeutscher Postbote, der die Grenzen rund um das Dorf gut kannte, nutzte seine Zustellroute | + | Ein ostdeutscher Postbote, der die Grenzen rund um das Dorf gut kannte, nutzte seine Zustellroute |
| Nachdem die DDR die Absperrungen um das Dorf verstärkt und bewaffnete Wachtürme errichtet hatte, wurden die Fluchtversuche tödlich. Dennoch gelang es mehreren Jugendlichen, | Nachdem die DDR die Absperrungen um das Dorf verstärkt und bewaffnete Wachtürme errichtet hatte, wurden die Fluchtversuche tödlich. Dennoch gelang es mehreren Jugendlichen, | ||
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| Der US-General Lucius D. Clay erkannte die politische Tragweite der Situation. Um die Entschlossenheit des Westens zu demonstrieren, | Der US-General Lucius D. Clay erkannte die politische Tragweite der Situation. Um die Entschlossenheit des Westens zu demonstrieren, | ||
| - | Da die westberliner | + | Da die Westberliner |
| - | Die Strom- und Gasversorgung des Dorfes erfolgte über das ostdeutsche Netz. Die DDR nutzte dies als ständige Erpressungsgrundlage: | + | Die Strom- und Gasversorgung des Dorfes erfolgte über das ostdeutsche Netz. Die DDR nutzte dies als ständige Erpressungsgrundlage: |
| Da es unmöglich war, Ziegel, Zement oder Balken per Hubschrauber zu transportieren, | Da es unmöglich war, Ziegel, Zement oder Balken per Hubschrauber zu transportieren, | ||
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| Die unhaltbare und gefährliche Situation wurde schließlich durch die Politik der Entspannung und einen geradezu erstaunlichen Gebietstausch gelöst. | Die unhaltbare und gefährliche Situation wurde schließlich durch die Politik der Entspannung und einen geradezu erstaunlichen Gebietstausch gelöst. | ||
| - | Die Alliierten und die Sowjetunion einigten sich auf eine Regelung des Status | + | Die Alliierten und die Sowjetunion einigten sich auf eine Regelung des Status |
| 1972 wurde die asphaltierte Verbindungsstraße eröffnet. Auf Forderung der DDR wurde die Straße auf beiden Seiten mit 3 Meter hohen Betonmauern abgesperrt, wodurch ein geschlossener Korridor entstand. Auf diesem Korridor nahm die legendäre Buslinie 18 ihren Betrieb auf. | 1972 wurde die asphaltierte Verbindungsstraße eröffnet. Auf Forderung der DDR wurde die Straße auf beiden Seiten mit 3 Meter hohen Betonmauern abgesperrt, wodurch ein geschlossener Korridor entstand. Auf diesem Korridor nahm die legendäre Buslinie 18 ihren Betrieb auf. | ||
| ==== Die Buslinie 18 ==== | ==== Die Buslinie 18 ==== | ||
| - | Die Buslinie 118 (die bis zum Fall der Mauer als Linie 18 bezeichnet | + | Die Buslinie 118 (bis zum Fall der Mauer als Linie 18 bezeichnet) war eine der bizarrsten Nahverkehrslinien der Geschichte. Er war nicht nur wegen der Betonmauern auf beiden Seiten etwas Besonderes, sondern auch wegen der absurden, alltäglichen Vorschriften, |
| Die Fahrer mussten eine spezielle Ausbildung absolvieren. Sie mussten lernen, gelassen mit dem Druck umzugehen, dass bewaffnete ostdeutsche Grenzsoldaten jede ihrer Bewegungen von den Wachtürmen aus beobachteten. Die Busse waren mit einer direkten, geheimen Funkverbindung ausgestattet, | Die Fahrer mussten eine spezielle Ausbildung absolvieren. Sie mussten lernen, gelassen mit dem Druck umzugehen, dass bewaffnete ostdeutsche Grenzsoldaten jede ihrer Bewegungen von den Wachtürmen aus beobachteten. Die Busse waren mit einer direkten, geheimen Funkverbindung ausgestattet, | ||
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| Das war die größte Befürchtung der westlichen Behörden. Wenn der Bus auf dem von der Mauer gesäumten, 1 Kilometer langen DDR-Abschnitt eine technische Panne hatte, bedeutete das eine sofortige internationale diplomatische Krise. | Das war die größte Befürchtung der westlichen Behörden. Wenn der Bus auf dem von der Mauer gesäumten, 1 Kilometer langen DDR-Abschnitt eine technische Panne hatte, bedeutete das eine sofortige internationale diplomatische Krise. | ||
| - | Weder die Fahrgäste noch der Fahrer durften auf ostdeutschem Gebiet den Bus verlassen. Die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) konnte nicht einfach so einen Mechaniker oder einen anderen Bus schicken. Bei jeder technischen Panne mussten die westlichen Verbündeten auf offiziellem Wege Kontakt mit dem DDR-Grenzschutz aufnehmen, um die Erlaubnis | + | Weder die Fahrgäste noch der Fahrer durften auf ostdeutschem Gebiet den Bus verlassen. Die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) konnte nicht einfach so einen Mechaniker oder einen anderen Bus schicken. Bei jeder technischen Panne mussten die westlichen Verbündeten auf offizieller Seite Kontakt mit dem DDR-Grenzschutz aufnehmen, um die Erlaubnis |
| Gelegentlich kam es vor, dass die ostdeutschen Behörden den liegen gebliebenen westlichen Bus selbst aus dem Korridor abschleppten, | Gelegentlich kam es vor, dass die ostdeutschen Behörden den liegen gebliebenen westlichen Bus selbst aus dem Korridor abschleppten, | ||
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| Innerhalb weniger Monate wurde das gesamte Betonmauersystem in der Umgebung abgerissen; das Dorf war nun keine Exklave mehr. Auch die Straßen nach Potsdam wurden freigegeben, | Innerhalb weniger Monate wurde das gesamte Betonmauersystem in der Umgebung abgerissen; das Dorf war nun keine Exklave mehr. Auch die Straßen nach Potsdam wurden freigegeben, | ||
| - | Heute ist Steinstücken eines der ruhigsten und teuersten Wohnviertel Berlins in grüner Lage. An die bedrückende Vergangenheit erinnert heute nur noch das Militärdenkmal in der Mitte des Dorfes, das zwei Hubschrauberrotoren nachbildet und an die ehemaligen amerikanischen | + | Heute ist Steinstücken eines der ruhigsten und teuersten Wohnviertel Berlins in grüner Lage. An die bedrückende Vergangenheit erinnert heute nur noch das Militärdenkmal in der Mitte des Dorfes, das zwei Hubschrauberrotoren nachbildet und an die ehemaligen amerikanischen |
| ==== Wie sieht es heute mit der Buslinie 118 aus? ==== | ==== Wie sieht es heute mit der Buslinie 118 aus? ==== | ||
| - | Der Bus verkehrt auch heute noch zwischen Zehlendorf und Steinstücken, | + | Der Bus verkehrt auch heute noch zwischen Zehlendorf und Steinstücken, |
| Viele geschichtsinteressierte Berlin-Besucher steigen bis heute extra in den Bus der Linie 118 ein, um die Strecke zu befahren, die einst der am strengsten bewachte, von einer Mauer umgebene Militärkorridor der Welt war. | Viele geschichtsinteressierte Berlin-Besucher steigen bis heute extra in den Bus der Linie 118 ein, um die Strecke zu befahren, die einst der am strengsten bewachte, von einer Mauer umgebene Militärkorridor der Welt war. | ||
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de/passport/line_18.txt · Zuletzt geändert: von vamsan
